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KTG Agrar - Lehren aus dem Scheitern der Agrarindustrie

PRESSEMITTEILUNG

Brüssel. Dem Unternehmen KTG Agrar, das mit 45.000 bewirtschafteten Hektar in Ostdeutschland, Bayern, Litauen und Rumänien zu den größten Agrarunternehmen Europas zählt, droht die Insolvenz. Kommenden Montag läuft die selbstgesetzte Fristverlängerung für die Zahlung von Zinsen in Höhe von gut 15 Millionen Euro aus. Ist KTG nicht imstande, die Zinsen vor dem 6. Juli zu bezahlen, könnten die Anteilsnehmer ihre Forderungen fällig stellen, was voraussichtlich die Insolvenz des Unternehmens zur Folge hätte. Durch die Flächendominanz von KTG Agrar wären ganze Landstriche von den nun bevorstehenden Entwicklungen betroffen.

Vor diesem Hintergrund fordert Maria Heubuch, Bäuerin und Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, wirkungsvolle Instrumente gegen die Konzentration von Agrarflächen in den Händen weniger Unternehmen und für eine nachhaltige Landwirtschaftsstruktur:

„Selbst wenn es KTG Agrar bis zum Montag gelingen sollte, einer drohenden Insolvenz weiteres Kapital entgegenzustellen, so wird deutlich, dass das 45.000 ha bewirtschaftende Gebilde aus verflochtenen Aktiengesellschaften sich in eine hochriskante Situation gebracht hat. Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen und agrarindustrielles Wachstum als Geschäftsmodell wirken über kurz oder lang ruinös in der Landwirtschaft. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Vorstellung, größere Betriebe seien gleich bessere Betriebe, ein Irrweg ist. Während Konstrukte wie KTG Agrar in den letzten Jahren gewachsen sind, ist tausendfach die Chance verpasst worden, dass sich eine vielfältige, ökologische und soziale Landwirtschaftsstruktur im Osten Deutschlands entwickelt.“

Das Beispiel der Flächenkonzentration von KTG Agrar und einer nun möglichen letzten Rettung durch internationale Investoren macht deutlich, wie stark die Spekulation um landwirtschaftliche Flächen auch in Europa und Deutschland bereits Realität ist, so Heubuch. Vor diesem Hintergrund bestehe die dringende Notwendigkeit, geeignete gesetzliche Instrumente durch Europa, Bund und Länder zu entwickeln, um aktiv den landwirtschaftlichen Bodenmarkt vor Fehlentwicklungen zu schützen:

„Spekulation und Preistreiberei um landwirtschaftliche Flächen müssen wirksam verhindert werden. Die Regierungen müssen die Land- und Siedlungsgesellschaften stärken, damit diese aktiv auf den Bodenmarkt eingreifen, wenn, wie möglicherweise im Fall von KTG Agrar, Ackerflächen oder ganze Betriebe zum Verkauf stehen. Es muss einer noch stärkeren Flächenkonzentration entgegengesteuert werden, indem das Land zu fairen Preisen an klein- und mittelgroße Betriebe vergeben wird sowie an junge Menschen, die in die Landwirtschaft einsteigen wollen.

Die Bundesregierung ist gefordert, die Möglichkeiten der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik auszuschöpfen und die Agrarförderungen zielgerichteter für eine nachhaltige und bäuerliche Landwirtschaft einzusetzen. Auch von der EU-Kommission erwarte ich, dass sie das Thema Landkonzentration auf ihre Agenda setzt. Denn ihre Aufgabe sollte die Förderung einer bäuerlichen, nicht einer börsendominierten Landwirtschaft sein.“

Mehr Infos zum Thema Landkonzentration und Zugang zu Land in Europa finden Sie hier.